One night in Gion

Das zweite Wochenende, das erste Mal Gion.

Blick über den Kamo bei Nacht
Blick über den Kamo bei Nacht

Gion, so heißt ein Teil Kyotos Altstadt, der auch als Geisha-Viertel bekannt ist. Von hier aus gelangt man zu vielen Kneipen und … Etablissements, die man als Ausländer nicht betreten darf. Versucht man es doch, erntet man vom Bodyguard vor Tür nur ein freundliches Lächeln und ein Kopfschütteln.

Gion bei Nacht
Gion bei Nacht

Gion sieht so aus, wie man sich Japan aus Filmen vorstellt, dabei aber nicht kitschig, sondern richtig schön. Die Lampions leuchten, aus (teuren) Restaurants dringen durch die Papierwände gedämpfte Gespräche und Lachen. Menschen stehen vor den Lokalen und warten darauf, dass sie hinein gebeten werden, weil ein Tisch frei geworden ist.

Die Atmosphäre ist freundlich – einzig die Touristen stören das klischeehafte, japanische Bild.

Spank me
Spank me

Besonders die engen Gassen haben es mir angetan. Kaum breit genug, dass zwei Menschen aneinander vorbei kommen, findet man hier das, wofür Gion heute eben auch steht: Sex.

In diversen Blogs liest man, dass die Entwicklung Gions zum Rotlichtbezirk vielen Japanern nicht gefällt. Eine gute Beschreibung findet sich in diesem Blogpost: „In the past couple of

Gasse in Gion
Gasse in Gion

years, however, fashion health spas and soaplands, pink salons and all-you-can-cum-in-thirty-minutes blow-job factories have spilled out of the narrow alleys that run between Kiyamachi and Kawaramachi Street – and have taken over many of what used to be bars and restaurants on Kiyamachi itself.“

Schilder, die auf Eintrittsgelder von um die 6000 Yen für 60-90 Minuten hinweisen sieht man häufig.

Betritt man dann wieder die Hauptstraßen, findet man diverse Bars, in denen Ausländer willkommen sind. Die größte Hemmschwelle war es, eines der ehemaligen Wohnhochhäuser zu betreten, in denen sich die Bars befinden. In Japan ist es üblich, dass ehemalige Wohnungen zu Bars werden – ein merkwürdiges Gefühl.

BFF <3 <3 <3
BFF <3 <3 <3

Die dutzenden Automaten, aus denen man Nippes ziehen kann oder, an denen man sich mit seiner besten Freundin fotographieren lassen kann blinken und spielen ihre penetrant hohen Melodien ab. Natürlich konnten wir es uns nicht nehmen lassen, Fotos machen zu lassen.

Geishas haben wir leider keine gesehen. Aber ich bin sicher, dass sich das noch ändern wird. Immerhin wird man sogar aufgefordert, auf Geishas zu achten.

In diesem bunten Gemisch aus Touristen, Bars, Girlclubs, Bodyguards,

Altar in Gion
Altar in Gion

blinkenden Automaten, Fetischsex und Geishas findet sich ein weiterer Beleg für Japans Religionen: Ein kleiner Altar, direkt neben einem Fischrestaurant und einer sehr belebten Kreuzung, an dem Gebetsplatten hängen, Opfergaben niedergelegt – und gebetet wird.

Das Studienprogramm führt uns also auch ins Nachtleben Japans.

Beware of Geisha
Beware of Geisha

In der Bar Jive nahmen wir noch ein letztes Getränk, unterhielten uns kurz mit einigen Japanern und machten uns dann auf den Weg zum Betto-Cho zurück.

Mein Eindruck ist zunehmend, dass Japan eine Gesellschaft ist, der es irgendwie gelingt, den anstrengenden Spagat zwischen Tradition und Moderne zu halten.