„Like a graveyard with not a tombstone standing“

So beschreibt ein japanischer Militärbericht die Stadt Nagasaki nach dem Abwurf der zweiten Atombombe am 9. August 1945.

Am 6. August 1945 wurde Hiroshima von der ersten jemals abgeworfenen Atombombe der Geschichte getroffen. Zwischen 90.000 und 166.000 Menschen starben in den ersten Monaten nach dem Abwurf von „Little Boy“ über der Stadt – etwa die Hälfte direkt durch die Explosion, die Strahlung und die Hitze der Bombe. In Hiroshima wurden 69% der Gebäude innerhalb weniger Sekunden ausradiert.

Hiroshima vor und nach der Bombadierung
Hiroshima vor und nach der Bombadierung

160m vom Hyperzentrum der Explosion entfernt, befand sich die Hiroshima Prefectural Commercial Exhibition, ein Ort, an dem regionale Produkte ausgestellt wurden. Dieses Gebäude ist das einzige, welches nicht zu Staub geworden ist. Seit Kriegsende wird es konserviert und ist heute als A-Bomb Dome teil des Hiroshima Peace Memorial Parks.

A-Bomb Dome
A-Bomb Dome

Im Park findet sich auch das Children Peace Memorial, welches Sadako Sasaki gewidmet ist. Zwischen dem A-Bomb Dome und dem Peacemuseum liegt dieses eindrucksvolle Monument. Sadako ist nach den Abwürfen an Leukämie erkrankt; ihre Geschichte ist weltweit relativ bekannt, da sie – einer alten japanische Legende folgend – 1000 Origamikraniche falten wollte, um einen Wunsch frei zu haben: Gesund sein.

Sadako starb 1955.

Klassenkameraden von Sadako haben das Falten von Papierkranichen danach zu einem Symbol für den Frieden etablieren können. Heute werden aus der ganzen Welt tausende Kraniche nach Hiroshima geschickt und im Childrens Peace Memorial aufgehangen. Neben einer Darstellung von Sadako befinden sich ein Dutzend Glaskästen, die diese Kraniche enthalten.

Die Geschichte von Sadako ist in vielen Büchern aufgeschrieben und literarisch bearbeitet. Ich kenne selbst nur eine Version, das Bilderbuch „Sadakos Kraniche“ von Judith Loske. Ich kann es sehr empfehlen – es kostet 12,95 Euro.

Im Peace Park befindet sich schließlich noch das „Mahnmal für die Opfer der Atombombe“. Durch einen Tunnel, in dem ein Sarkophag steht, der Bücher mit den Namen der Opfern enthält, blickt man auf die ewige Flamme und den A-Bomb Dome.

DSCI2615Auf dem Sarkophag steht 安らかに眠って下さい 過ちは 繰返しませぬから – übersetzt, laut der deutschsprachigen Plakette: „Mögen alle Seelen hier in Frieden ruhen – denn wir werden die Katastrophe nie wieder zulassen“

Allerdings hat die japanische Sprache einen anderen Aufbau, daher kann man – so erklärt es die englische Wikipedia – auch anders lesen. Im Kontext hier zu finden: Wikipediaartikel (en).

Im Museum schlussendlich gibt es eine wirklich beeindruckende und bedrückende Ausstellung zu sehen. Ich denke, dass es bessere Quellen gibt, sich über den Abwurf zu informieren, als meinen Blog. Dennoch: Die Hitze nach der Bombe hat zwischen 3000°C und 4000°C betragen. Menschen verglühten einfach zu Asche. Muster von Kleidungsstücken brannten sich in die Haut der Menschen. Schatten brannten sich in Wände.

Die Druckwelle war so hoch, dass Menschen die Kleidung und die Haut in Fetzen vom Körper gerissen wurden, viele wurden mehrere Meter weit geschleudert.

Es gibt dutzende Fotos und Artikel im Internet zu finden. Ich verzichte hier bewusst darauf, den Horror darzustellen, den Menschen erlebt haben müssen. Empfehle aber sehr den englischsprachigen Wikipediartikel zum Thema. Der deutsche Artikel ist da leider weniger ausführlich.

Im Friedensmuseum habe ich mir das zweisprachige (Japanisch/Englisch) Buch „Even Less Than Ashes – Under the two Mushroom Clouds“ gekauft, das, ähnliche wie Brechts Kriegsfibel, mit deutlichen Fotos arbeitet, die mit Gedichten kommentiert sind. Besonders beeindruckt hat mich dieses:

Atomic Bomb

It was morning.
The bomb was dropped.
And everyone was crying out for
Help!
The dogs died too.
The dogs still alive were
All barking.
Under a pine tree,
Old man next door was dead.

— Aiko Matsushima
(fourth grade elementary school)

Ein Gedanke zu „„Like a graveyard with not a tombstone standing““

  1. Ein sehr bedrückender Beitrag. Gar nicht vorstellbar, was all die Menschen damals erleben mussten!
    Die Gedenkstätte finde ich klasse, besonders durch die Kraniche bekommt alles einen besonderen Hauch.
    Kannst Du jetzt auch solche Kraniche falten?

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