Drei Knaller

Mir fällt einfach kein besserer Titel ein, als das – man mag das der heutigen Müdgkeit zuschreiben. Egal.

Die vergangen Tage haben drei wirklich tolle Erlebnisse, die ich persönlich als „Knaller“ bezeichnen würde, mit sich gebracht.

Tanuki-dani

Gemeinsam mit dem Sinologen Detlev Köhn, der auch für unseren Japanischunterricht zuständig ist, haben wir in den vergangenen Wochen immer wieder Fieldtrips gemacht. Als besonderes Bonbon hat Detlev sich für unsere letzte Tour den Tanuki-dani aufgespart.

Ein Tanuki voller Moos - gruselig
Ein Tanuki voller Moos – gruselig

Tanuki, oder Maderhunde, gelten in Japan als Glücksfiguren und werden – warum auch immer – mit einem gewaltigen Hoden dargestellt. Der Tanuki-dani ist gewissermaßen die „Ruhestätte“ der Tanuki, die überall vor Läden oder Häusern stehen. Tanuki, die ihr Glück gebracht haben, werde hierher gebracht.

Torii säumen die Stufen
Torii säumen die Stufen

Die Anlage liegt wirklich wunderschön in den Bergen und erstreckt sich ein ganzes Stück den Berg hinauf. Man durchquert einen Schrein, dessen dutzende Torii die Stufen säumen. Sehr atmosphärisch und wirklich ein „anderer“ Ort. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.

Im eigentlichen Schrein-/Tempelbereich findet sich ein Unterschrein für den Toilettenkami (kein Scheiß – ba dum tss). Diese Gottheit soll den Stuhlgang schützen und es gibt Aufkleber zu kaufen, die man an seiner WC Türe anbringen kann. Reichlich skurril, aber es zeigt deutlich, dass es für alles einen Kami gibt.

Der Besuch ging aber großartig weiter: Detlev erklärte unter anderem, dass es hier eine Stelle gibt, an der während Zeremonien unter einem Wasserfall geduscht wird. Und, was soll ich sagen: Das ist seit Jahren ein Traum von mir.

So wie Gott mich schuf
So wie Gott mich schuf

Ziemlich kurz entschlossen fielen alle Hüllen und ich stand unter dem Wasserfall. Ein wenig vollgepumpt mit Adrenalin – immerhin konnte jederzeit jemand auftauchen – genoss ich diesen Moment wirklich sehr. So nah mit der Natur und „allem“ habe ich mich noch nie verbunden gefühlt. Ein großartiges Erlebnis.

Es ging den Berg weiter hinauf. Hier sahen wir dann etwas, was mich wirklich nachhaltig bewegt.

Jizō, umgeben von Windrädern für tote Kinder
Jizō, umgeben von Windrädern für tote Kinder

Von Jizō habe ich schon einmal berichtet. Zusammengefasst: Jizō ist ein Heiliger, dessen Aufgabe ist es, die Toten über einen Fluss zu bringen, von wo aus sie ins Jenseits gelangen können. Vor allem gilt er als Schutzheiliger für abgetriebene oder totgeborene Kinder.

hunderte Jizō
hunderte Jizō

Jedes der Windräder steht für ein Kind, welches „auf dem Wege ist, den Fluss zu überschreiten“, also für ein totes Kind.

Auf den Tafeln stehen die Namen von Kindern, erst wenn diese durch Regen und Witterung abgewaschen sind, hat die Seele des toten Kindes den Weg sicher über den Fluss geschafft.

Besonders traurig gemacht hat mich ein älteres Ehepaar. Der Mann betete weinend vor der großen Jizōfigur und entzündete eine Kerze und Räucherstäbchen. Ein traurige, besondere Atmosphäre.

Der Blick den Berg hinab
Der Blick den Berg hinab

Nach dem Aufstieg zum Tempel und einer Pause, entschlossen sich Julius und ich auch noch einen Pilgerweg, der „in den Berg“ führt zu gehen. Vorbei an 36 Heiligenfiguren führt dieser Pfad (und Weg wäre wirklich zuviel gesagt) über Stock und Stein.

Auf dem Pilgerpfad
Auf dem Pilgerpfad

Belohnt wurden wir nicht nur mit einem tollen Blick, sondern schließlich auch mit dem Abstieg durch einen Bachlauf (inklusive nasser Füße), zwei Runinen, einer herrlichen Stille und einer Atmosphäre, die mich einmal mehr verstehen lässt, warum im Shintō die Idee der Powerspots und der Kami existiert. Irgendetwas – ich würde es Gott nennen – spürt man in diesen Augenblicken.

der verfallene Schrein
der verfallene Schrein

Als Abschluss der grandiosen Tour fanden wir einen verlassenen und verfallenen Schrein für den, so vermuten wir, Bergkami. Eine wirklich tolle Tour durch den Berg.

Im alten Schrein - erschöpft aber glücklich
Im alten Schrein – erschöpft aber glücklich

Happy Birthday!

Und ja … ich hatte Geburtstag. Nach japanischem Verständnis bin ich 29 geworden, nach unserer „Zeitrechnung“ 28. Wie man es auch dreht und wendet: Ich bin ein Greis.

Die Betto-Cho Crew hat mir einen wirklich schönen Tag bereitet und am Abend ging es mit Teramoto-sensei und Hibiki, einem Schüler von Teramoto-sensei, mit dem wir zusammen Buddhist Text Reading haben, zur カラオケ. Ein sehr toller Abend, inklusive dem Irish Pub Abschluss „My Way“ – Heimat in der Fremde. Ein toller Tag. Danke!

カラオケ!
カラオケ!

 

Sanzen-in

Der dritte Hammer war dann heute unsere Tour mit Prof. Schauwecker die Tour zum Sanzen-in. Detlef Schauwecker lebt seit etwa 40 Jahren in Japan und hat mit uns eine Veranstaltung zur japanischen Kulturgeschichte gehabt. Seit der Abreise von Prof. Repp ist er gewissermaßen für uns zuständig.

Gemeinsam mit Somon Horisawa und Detlef Schauwecker
Gemeinsam mit Somon Horisawa und Detlef Schauwecker

Detlef hatte für uns ein Treffen mit dem Abt von Sanzen-in arrangiert. Und so hatten wir heute Gelegenheit, eine gute Stunde mit Somon Horisawa zu sprechen und Fragen zu Tendai zu stellen.

Nach dem sehr freundschaftlichen und netten Gespräch blieb noch ein wenig Zeit, den Tempel selbst und vor allem den Garten zu besichtigen.

Der Zeitpunkt war gut: Sonnenuntergang in einem Bergtempel:

Sonnenuntergang im Sanzen-in
Sonnenuntergang im Sanzen-in

Ein Gedanke zu „Drei Knaller“

  1. Hallo Max,
    es ist immer wieder schön von dir zu lesen und jedes Mal faszinieren mich deine Erlebnisse.
    Ich freue mich, dass du auch fern der Heimat einen schönen Geburtstag hattest und wünsche dir auch auf diesem Wege noch einmal alles Liebe für dein neues Jahr! Ich bin gespannt, was wir als nächstes von dir lesen dürfen. Fühl dich ganz lieb gedrückt, bis bald
    Paulina

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