Ein Tag in Ise

Ise-jinja

Der Ise-jinja ist der wichtigste Schrein Japans. Als Heiligtum der Kaiserfamilie kommt ihm eine besondere Bedeutung zu. Durch die gewaltige Anlage führte uns, einmal mehr, Prof. Knecht.

Alle Gebäude werden abgebaut und einige Meter weiter neu errichtet.
Alle Gebäude werden abgebaut und einige Meter weiter neu errichtet.
Das Heiligtum wird während der "leeren Phase" durch eine kleine Hütte geschützt
Das Heiligtum wird während der „leeren Phase“ durch eine kleine Hütte geschützt

Unterteilt ist der Schrein in den „Inneren Schrein“ und den „Äußeren Schrein“, einzigartig an diesen Schreinen ist vor allem, dass sie alle 20 Jahre „umziehen“.

Der Eingang des Inneren Schreins
Der Eingang des Inneren Schreins

Umziehen ist hierbei wörtlich zu nehmen: Der gesamte Schrein wird demontiert. Das Holz wird an Schreine in ganz Japan verschickt und ein neuer Schrein, der den Vorgängern zu 100% gleich ist, an einem Platz neben dem vorherigen Standort neu errichtet. Ein Museum widmet sich dem letzten Umzug, der laut Herrn Knecht 2013 stattgefunden hat.

Der Äußere Schrein und der Innere Schrein sind hierbei gleichberechtigt: Beide Schreine ziehen um.

Der Fluss wird zur Reinigung genutzt
Der Fluss wird zur Reinigung genutzt

Durch den Inneren Schrein zieht sich ein Fluss. Der Legende nach hat die Göttin Amaterasu hier durch den Kami des Flusses einen geeigneten Platz für sich entdeckt und ihm daher gestattet, zu bleiben. Der Fluss wird heute von vielen Besuchern des Schreins als Ort zur rituellen Reinigung genutzt.

Vom Fluss aus ging es für uns zur „Wilden Göttin“, einer alternierenden Darstellung Amaterasus. Viele Götter haben verschiedene Formen, in denen sie sich den Menschen zeigen. Auch diese Unterschreine sind in Ise von den Umzügen betroffen.

Besonders eindrucksvoll habe ich hier den Aufbau des Schreins für die wilde Form Amaterasus.

Tod und Leben
Tod und Leben

Der Aufbau des Schreins und der, des anderen Standortes ist sinnbildlich für Leben und Tod. Der permanente Wechsel des Schreinstandortes, sowie der Materialien des Schreins sind symbolhaft für den Zusammenhang von Leben und Tod. Der Fokus liegt aber, anders als im Buddhismus, auf dem Leben.

Wenn man im Nieselregen vor diesem Gebäude steht, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.

Straßenfest

Nach dem Besuch im Ise-jinja haben wir den Ort selbst erkundet. Ich hatte dabei ziemliches Glück: Nachdem ich mich entschieden hatte, alleine durch den Ort zu gehen, hörte ich Musik. Mitten in Ise war an diesem Tag ein großes Straßen- und Musikfest. Es gab traditionelle Musik, Tanz und Theater. Lokale Delikatessen und Handwerkskunst.

Der Krache war es dann, dass ich auf die Bühne geholt wurde und auf einer Taiko trommeln durfte.

Bei der Aufführung danach handelte es sich um ein Tanztheaterstück. Eine ältere Japanerin neben mir sprach mich auf Englisch an. Es stellte sich heraus, dass sie mit einem GI verheiratet war und ziemlich gutes Englisch sprach. Sie hat mir das Theaterstück erklärt, was ziemlich toll war.

夫婦岩 – Meoto-Iwa

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夫婦岩

Nach dem Besuch in Ise ging es mit dem Bus zu den Meoto-Iwa, den „Verheirateten Felsen“. Die sind zwar viel kleiner, als ich erwartet hatte, aber trotzdem beeindruckend.

Das Heiligtum und der Schrein sind dafür gedacht, eine gute und glückliche Ehe zu führen. In der Vorbereitung auf nächstes Jahr natürlich ein besonders schöner Ort.

Das Shimenawa (das Seil, welches beide Felsen verbindet) symbolisiert die Vereinigung und Verbindung von Mann und Frau. Dabei ist sowohl die Ehe, die Hochzeitsnacht, als auch die sexuelle Vereinigung gemeint. Sexualität wird im Shintō übrigens als wichtiger Bestandteil und als Abwehr gegen böse Geister verstanden.

Das Symbol des Schreins ist eine Schildkröte, da der Felsen neben dem Ehemannfelsen an eine Schildkröte erinnert.

Vor dem "Ehemannfelsen"
Vor dem „Ehemannfelsen“ | links: Der Felsen mit der Schildkröte