Ein stakender Bootsführer

Affentheater und andere Erlebnisse

Horror im Zoo

Kyōto Municipal Zoo
Kyōto Municipal Zoo

Als großer Fand von Tierparks und Zoos musste ich natürlich auch in Japan einen Zoo besuchen. Ich schätze an Tierparks und Zoos vor allem, dass sie sich oft für Tierschutz etc. engagieren. Klar: Darüber kann man streiten, ich nehme das aber meistens so wahr.

Bereits vor dem Zoobesuch hier in Kyōto, wurde ich darauf hingewiesen, dass man keine deutschen Standards erwarten könne. Insofern bin ich mit etwas gemischten Gefühlen in den Kyōto Municipal Zoo gefahren.

Der Elefant im "Auslauf"
Der Elefant im „Auslauf“

Diese sehr gemischten Gefühle haben sich größtenteils zu echtem Entsetzen und Ekel entwickelt. Doch zunächst eine kurze Beschreibung: Der Zoo an sich ist nicht besonders groß – das war bereits bei einem Blick auf die Karte klar. Der Eintritt von 600 Yen ist trotzdem recht günstig. Das gilt für Zoos in Deutschland aber ebenso, vor allem, wenn sie gefördert werden.

Das Grauen begann mit einem Blick auf den Elefanten: Alleine in einem komplett aus Beton bestehenden „Auslauf“, der etwa 40m² misst (Schätzung). Das Tier hat darin zwei alte Reifen als Spielzeug und ist an beiden Vorderfüßen mit Ketten gefesselt. Ich bilde mir das vielleicht ein, aber er wirkte verzweifelt.

Von hier aus führte mich der Weg weiter an Vogelgehegen vorbei, die ich im Großen und Ganzen okay fand – nicht besonders groß, aber sauber und für mein Empfinden naturnah eingerichtet (leider sind die Fotos alle so unscharf, dass man nichts erkennt – die Gitter sind schuld).

Das Amphibienhaus entspricht in etwa dem, was man auch in Europa finden würde – Schildkröten, Alligatoren, Fische, Schlangen. Ich kenne mich mit deren Haltung nicht aus, aber das war mit Deutschland vergleichbar.

Affenloch
Affenloch

Das neuerliche Entsetzen ließ aber nicht lange auf sich warten: Vor dem, vor kurzem renovierten, Affenhaus, befindet sich ein „Gehege“ für Schimpansen. Gehege ist kaum der richtige Begriff – viel mehr müsste man von „Loch“ sprechen – denn mehr ist es nicht. Ein Loch im Boden, betoniert, mit einem „Kletterbaum“ aus Stahl. Keine Bäume, keine Sträuchern und außer alten Reifen und Ketten keinerlei Spielzeug.

Gorillapapa
Gorillapapa

Mein Weg führte mich weiter ins Gorillahaus. Da die Gorillas vor etwa einem halben Jahr Nachwuchs bekommen haben, hat man sich hier mächtig ins Zeug gelegt und, jedenfalls für mein Empfinden, ein wirklich gutes Gehege gebaut. Der kleine Gorilla kletterte ziemlich viel umher, es gibt viele Pflanzen; die Tiere wirkten jedenfalls nicht schlecht behandelt.

Auch die Gehege für „Kleinaffen“ um die Ecke war in gutem Zustand – es gehört allerdings zum Neubau dazu.

Von hier ging es auf eine Plattform, die mich auf „Giraffenkopfhöhe“ brachte. Auch hier: Stellenweise mit Sand bedeckter Betonboden ohne wirklichen Auslauf. Ein einsames Zebra stand reichlich verängstigt in einer Ecke.

Zumindest dieser possierliche Kumpel hatte es ganz gut
Zumindest Tsukushi hatte es ganz gut

In unmittelbarer Nähe der Giraffen leben europäische Kleintiere: Ein Fuchs, ein Dachs und andere Tiere. Hier hat mir wirklich das Herz geblutet. Die „Gehege“ liegen direkt neben einer Art Minifreizeitpark, mit permanentem Geschrei und Gedudel von irgendwelcher Musik. Der Fuchs saß völlig verängstigt und sichtbar zitternd(!) in der Ecke seines etwa 5m² großen Gefängnisses. Der Dachs hat geschrien. Ununterbrochen.

Einige weitere Kleintiere hatten es vergleichsweise gut und wirkten ziemlich fidel. Nach dem dem, was ich gesehen hatte, dachte ich, es könne nicht schlimmer werden. Doch weit gefehlt – der echte Schock wartete um die Ecke.

Ein Löwe und eine Löwin (Nile und Cris) leben hier zusammengepfercht in einem etwa 25m² großen Betonraum. Umgeben von Gitterstäben lagen beide Tiere einfach nur herum – was sollten sie sonst auch tun. Irgendwann kam eine Schulklasse, die lärmte, was Nile zum Brüllen animierte.

Tigerkäfig
Tigerkäfig

Direkt daneben gibt es drei Tiger. Und drei Tigerkäfige. Ja, genau: Rudeltiere werden getrennt in winzigen Käfigen gehalten. Man kommt auf 15cm(!) dicht heran: Vor den Gitterstäben befindet sich eine Art besserer Hasendraht. Die Tiger waren alle völlig aufgeregt und überaus aggressiv (wer kann es ihnen verdenken), was durch Vollidioten, die gegen die Gitter klopfen nicht besonders besser wurde. Einer der Tiger schlug mehrfach gegen die Gitterstäbe – das animierte die Leute dazu, das Tier noch mehr zu provozieren. Mir ist fast die Kotze hochgekommen.

Leider ist mein Japanisch lange nicht gut genug, um die Leute zu fragen, ob sie noch alle Nadeln an der Tanne haben – daher blieb mir nichts anderes über, als empört und geschockt zu gehen. Und diesen Teil des heutigen Eintrages zu verfassen. Gekoppelt daran der große Appell, japanische Zoos zu boykottieren und nicht zu besuchen.

Thank your for your cooperation!
Thank you for your cooperation!

Vor dem Ausgang hielt mich dann noch eine Gruppe aufgeregter, japanischer Schüler_Innen auf und bat um ein Interview, das sie für ihren Englischunterricht machen sollten. Das war eine sehr nette Begegnung und natürlich habe ich die Fragen beantwortet und ein Foto mit den Kids gemacht. Leider war mein Kameraakku zu dem Zeitpunkt leer. Als Dankeschön bekam ich von der Gruppe ein Geschenk in Form einer Englisch beschrifteten Karte mit einer Empfehlung, was der Lieblingsort der Kinder ist.

Vom Bambuswald zum Gipfel

Bamboo Forst, Sagano
Bamboo Forst, Sagano

Der Ausflug, den wir für Samstag geplant hatten führte uns zum Arashiyama (嵐山 – „Sturmberg“). Der Stadtteil gleichen Namens liegt im äußersten Westen Kyōtos und hat eine ganze Menge zu bieten. Vor allem wollten wir den relativ bekannten „Bamboo Forest“ in Sagano besuchen.

Das Weg durch dieses Areal ist wirklich sehr schön und zu empfehlen. Ein echter Bambuswald hat ein sehr eigenes Flair, was mit europäischen Wäldern nicht zu vergleichen ist. Der Bereich ist touristisch natürlich sehr erschlossen, was bedeutete, dass man hier kaum einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Trotzdem hat sich der Spaziergang sehr gelohnt.

Gartenanlage des Tenryū-ji
Gartenanlage des Tenryū-ji

Auf dem Weg liegt auch ein Teil des Tenryū-ji (der Tempel, in dem wir auch den Roshi getroffen haben). Vor allem die Gartenanlage hier ist wunderschön und der Abstecher und der Eintritt haben sich mehr als gelohnt.

Von hier aus führte uns der Weg weiter durch den Bamboo Forest und durch ein sehr schönes Gebiet ans Ufer des (jedenfalls hier noch) Hozugawa. Auf diesem Fluss sind viele Boote unterwegs, die Touristen durch das sehr bekannte und wirklich sehr schöne Tal fahren. Das Besondere ist, dass auf vielen der Boote gegrillt wird, während die über den Fluss fahren und, dass sie gestakt werden.

Boote an der Togetsukyō-Brücke
Boote an der Togetsukyō-Brücke

Für uns gab es hier dann zum Mittag, klassisch im Schneidersitz auf Tatami, ein sehr leckeres Essen am Ufer des Hozugawa: Soba. Gestärkt machten wir uns von hier dann auf in Richtung Togetsukyō, eine Brücke die über den Hozugawa führt und den Fluss förmlich trennt: Auf der anderen Seite der Brücke heißt der Fluss nämlich Katsuragawa.

Auf der anderen Flussseite begannen wir den nicht ganz unanstrengenden Ausstieg zum „Great View Point!!!“, der uns auf mehreren Plakaten angepriesen wurde. Dieser Aussichtspunkt ist in Wahrheit der Senkoji, ein Zentempel.

Fürsorglicher Tempel: Wanderstöcke für den Aufstieg
Fürsorglicher Tempel: Wanderstöcke für den Aufstieg

Etwas überrascht stellten wir fest, dass schon nach wenigen Metern von Touristen kaum mehr etwas zu sehen war. Von der Brücke ist man gut einen Kilometer unterwegs, bis es an den Aufstieg geht.

Die vom Tempel bereitgestellten Wanderstöcke haben wir leider erst auf dem Rückweg gesehen – vermutlich hätte ich mir meinen Sturz und die aufgeschlagenen Knie mit einem solchen Stock gespart. Aber zum Glück ist nichts Schlimmes passiert.

Tempelglocke am Senkoji
Tempelglocke am Senkoji

Der Weg zum Tempel war, wie gesagt, recht anstrengend. Begleitet vom gelegentlichen, dumpfen Schlagen einer Tempelglocke war unsere Neugier aber so groß, dass wir schon bald die ersten, verwitterten Tempelgebäude sehen konnten.

Vom Tempeleingang aus, war die große Glocke gut zu sehen. Drei Schläge sollte hier jeder der Glocke geben – wir ließen uns natürlich nicht lange bitten.

Ausblick vom Senkoji
Ausblick vom Senkoji

Der Tempel selbst ist, verglichen mit denen, die wir schon besucht haben sehr klein. Es gibt eigentlich nur eine kleine Halle und einen separaten Bereich, für eine Buddhastatue. Der „Great View“ aber war keine Übertreibung. Mit etwa 10 anderen Leuten saßen wir staunend in den Bergen und blickten über den Fluss und die Berge. Ich glaube in diesem Ambieten zu meditieren muss ein großartiges Erlebnis sein.

Bunte Fahnen
Bunte Fahnen

Über uns wehten die typischen bunten Fahnen der Buddhisten. Der Blick über die Stadt, Land und Fluss (höhö) ist atemberaubend schön und wir haben eine ganze Zeit hier verbracht, ehe wir uns an den Abstieg machten.

Trotz der schlechten Erfahrung im Zoo, gab es noch ein Ziel: Den Iwatayama Monkey Park. Von Herrn Repp waren wir bereits „gewarnt“ worden, dass es am Arashiyama wilde Affen gäbe und man auf seine Sachen aufpassen müsse.

Der Monkey Park ist im Prinzip ein Areal, das in dem Bereich liegt, in dem die wilden Affen normalerweise leben. Alles, was man gemacht hat, ist befestigte Wege angelegt und eine Station zu errichten, aus der man die Affen füttern kann.

Hier haben sich die negativen Erlebnisse aus dem Zoo glücklicherweise nicht wiederholt – im Gegenteil. Die Affen leben, abgesehen davon, dass sie gefüttert werden, in ihrem natürlichen Umfeld (es gibt auch keine Zäune o.ä.). Die Affen nehmen das Futter (Bananen und Erdnüsse) aus der Hand und fressen es – verdammt kawaii!

Es ist schon toll, wenn die Affen bis auf wenige Meter herankommen. Laut einiger Japaner tun sie das übrigens auch in den Bereichen, in denen sie wirklich „richtig“ wild leben. Solange man die Tiere nicht bedroht, schauen sie interessiert. Überaus putzig :-)

Für mich endete der Besuch im Affenpark mit einer wunderbaren Rutschpartie!

Huiiiii!
Huiiiii!

Nach dem Besuch im Affenpark entschieden wir uns, noch ein wenig die Umgebung zu erkunden, was uns zum Horin-ji führte. Der Tempel war bereits geschlossen und wir waren völlig alleine hier – das war ein sehr schöner Moment.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Besonders die untergehende Sonne sorgte für ein schönes Bild in der Entfernung – fast ein wenig kitschig.

Auf dem Rückweg zum Bus kamen wir dann noch an einer kleinen Überraschung vorbei: Der Kimonoforest an einer Bahnstation war in der Dunkelheit ein ganz besonderes Erlebnis. Eine Lichtinstallation, die verschiedene Kimonostoffe nutzt, um einen, dem Bambooforest nachempfunden, Effekt zu schaffen.

Ein geiler Tag.

3 Gedanken zu „Affentheater und andere Erlebnisse“

  1. … aber auch ein ziemlich anstrengender Tag, he? Schön, dass du so viel rumkommst! :-)

    Ich wusste gar nicht, dass du Zooliebhaber bist. Hier in Lovech gibt’s übrigens auch einen Zoo… u.a. mit einem deutschen Schäferhund, der einsam in seinem Käfig sein Dasein fristet. Echter Wahnsinn.

  2. Oha… ganz furchtbar diese Verhältnisse da im Zoo! Erschreckend und einfach nur widerlich!

    Wenn Du wieder da bist, dann gehen wir wieder in den Wildpark – da werden noch Haare gefressen und Ziegen geschubst!

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