Berg- und Talfahrt

Der Mount Hiei, oder Hiezan (比叡山), wie es auf Japanisch heißt ist ein Berg, der die nord-östliche Grenze Kyōtos festlegt. Mit gut 848m Höhe für ein Nordlicht wie mich ein ziemlicher Kawentsmann.

Cool (ich) and the gang (der Rest) ;-)
Cool (ich) and the gang (der Rest) ;-)

788 gründete der Mönch Saichō auf dem Hiezan den Enryaku-ji, bis heute das Zentrum der bedeutenden, buddhistischen, Tendaischule. Der enorm große Tempel teil sich in mehrere Untertempel und Schreine, von denen heute viele zum Weltkulturerbe gehören.

Besonderer Clou dieses Fieldtrips war, dass sich uns zwei japanische Studentinnen anschlossen, die bei Prof. Doi (dem Direktor des NCC) studieren.

Die Glocke im Enryaku-ji
Die Glocke im Enryaku-ji

Im Enryaku-ji gibt es eine ganze Menge Tafeln, die das Entstehen der Tendaischule erklären (leider nur auf Japanisch) und, die Mönchen gewidmet sind, die für Tendai in irgendeiner Form wichtig sind.

An einer großen Glocke kann man für ein kleines Opfer Wünsche und Gebete loswerden. Ohnehin spielt „Krach“ oft eine große Rolle: Um die Aufmerksamkeit eines Gottes auf sich und den Wunsch zu ziehen, ist es nötig, eine Glocke oder einen Gong zu schlagen.

Nicht verlassen - nur lange nicht benutzt
Nicht verlassen – nur lange nicht benutzt: Der Priester Eshin hat hier studiert

Interessant ist die Anlage auch, weil es diverse Tempelgebäude gibt, die verlassen scheinen. Herr Repp erklärte, dass diese Bereiche nur zu sehr besonderen Anlässen benutzt werden, so gibt es einen Ritus, bei dem 1000 Tage am Stück meditiert wird. Während dieser Zeit müssen bestimmte Bereiche zur Meditation benutzt werden.

Yokawa Chudos 1000 Buddhas
Yokawa Chudos 1000 Buddhas

Auf dem Hiezan befindet sich auch der Yokawa Chudo. In diesem „Untertempel“ wird das Bild des Boddhisatva Kannon verehrt. Im Tempelgebäude gibt es tausende Buddhafiguren – jeweils etwa 15cm hoch und vergoldet. Sie sind rund herum um das eigentliche Heiligtum aufgestellt. Neben jeder Figur ist ein Schild angebracht, das den Spender nennt. Auch diese Form von Verdiensten ist nötig, um das eigene Karma zu verbessern.

Syakodo
Syakodo

Der Hieizan ist ein heiliger Berg – die Tempelanlage gewaltig. Wir haben sehr, sehr viele Tempel besucht: Alle mit kleinen Eigenheiten. Auf jeden einzugehen wäre zu viel. Irgendwie bewegend fand ich einen kleinen Tempel in der Nähe zum Grab von Ganzan Jie Daishi: Syakodo.

Der Garten des Tempels ist als karesansui angelegt – als „trockener Garten“. Sobald man durch das Tor geht, welches zum Garten führt ist man in einer anderen, ruhigeren Welt. Ich kann das nicht beschreiben, aber das Gefühl war unglaublich.

Jizōfiguren mit alten Tüchern
Jizōfiguren mit alten Tüchern

In unmittelbarer Nähe zum Grab fanden wir auch zwei Jizōfiguren mit alten, verwitterten Tüchern. Der Kult um den Mönch und Schüler Buddhas, Jizō, besteht vor allem darin, dass Jizō die Seelen in die Unterwelt begleitet. Jizō gilt vor allem auch als Beschützer toter (und besonders abgetriebener) Kinder. Daher findet man seine Figuren sehr, sehr oft in Japan. Frisch umgebundene Tücher sind ein Zeichen für den Tod eines Kindes in jüngster Vergangenheit.

Zwei verwitterte Tücher zu sehen war daher ein bedrückendes Gefühl.

Mit dem Bus, der auf dem Hieizan fährt, ging es dann – natürlich – zum Gipfel. Der Ausblick über die umgebenden Berge und Städte war der Wahnsinn.

Aussicht vom Hiezan
Aussicht vom Hiezan

Die Talfahrt gab es dann einige Tage später.

Über einen Professor waren wir ins Bazar Café eingeladen. Dieser Ort richtet sich vor allem an Menschen, die Probleme jedweder Art haben. Hier waren wir zu einer kleinen Feier mit einigen Amerikanern und den Menschen, die im Café arbeiten eingeladen.

Bazar Café
Bazar Café

Zwischen Berichten zu Drogen, Gewalt zu Hause, Abtreibung, Einsamkeit usw. gab es trotzdem viel zu lachen und sehr, sehr nette Gespräche. Ich denke sehr ernsthaft darüber nach, mein Praktikum hier zu absolvieren, daher widme ich mich dem Bazar Café in einem eigenen Post nochmal intensiver.