Bittere Erfahrungen

Der erste „echte“ Field Trip liegt hinter uns.

Um 8:45 Uhr ging es auf Einladung von Tanaka-sensei, einem Zenlehrer, mit der Regionalbahn los in Richtung Obakusan Mampukuji. Dieser große Tempel hat nicht nur religionsgeschichtlich große Bedeutung für Japan.

Rund 60.000 Druckplatten werden im Tempel aufbewahrt
Rund 60.000 Druckplatten werden im Tempel aufbewahrt

In einem Nebentempel, dem Obakusan Hozoin Tempel, werden rund 60.000 Druckplatten aufbewahrt, um den buddhistischen Kanon zu drucken. Ab 1669 herum sammelte der Mönch Tetsugen Dōkō Geld, um die Platten und die Drucktechnik anschaffen zu können. Über Japan brach eine große Hungersnot herein und er kaufte von dem gesammelten Geld Reis für die Hungernden. Das gleiche geschah bei der zweiten Sammlung wieder und erst mit der dritten Sammlung gelang es, nach 1680, die Druckplatten anzuschaffen.

Ein Mönch bei der Druckarbeit
Ein Mönch bei der Druckarbeit

Zwar werden buddhistische Schriften heute in der Regel per Maschine gedruckt, im Obakasun Hozoin Tempel wird die alte Kunst des Druckens aber bewahrt. So werden die hölzernen Platten noch heute benutzt. Ein uraltes Handwerk, welches Jahre des Übens benötigt, bis man es beherrscht. Das Drucken, so erklärte uns Herr Tanaka, sei eine „Aufgabe der Bodhisattvas„, also eine besondere Aufgabe, die nur diejenigen erfüllen dürfen, die nach der höchsten Erleuchtung streben und dabei schon sehr weit gekommen sind.

Verzierungen werden auch per Hand gedruckt
Verzierungen werden auch per Hand gedruckt

Doch nicht nur Texte werden gedruckt – ähnlich wie bei Schmuckbibeln aus Europa werden die Druckerzeugnisse mit prächtigen Bildern geschmückt. Dabei werden nicht nur der Einband, sondern auch einzelnen Seiten besonders verziert.

Zum Drucken wird die Druckplatte mit Tinte bestrichen, dann Papier aufgelegt und auf der Rückseite des Papiers mit einem ledernen Werkzeug entlang gestrichen, bis die Tinte gleichmäßig verteilt ist.

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Runde Tore sind charakteristisch für chinesische Architektur

Vom Hozoin Tempel führte uns Herr Tanaka dann zum eigentlichen Haupttempel und führte uns persönlich durch das Heiligtum, das sich wesentlich von den bisher besuchten Tempeln unterscheidet. Im

Eine Buddhadarstellung
Eine Buddhadarstellung

Gegensatz zu den meisten Tempeln, handelt es sich beim Mampukuji um einen Tempel, der unter großem chinesischen Einfluss steht. Dies drückt sich sowohl in der Architektur, als auch in Verzierungen und Buddhadarstellungen, sowie Schutzgöttern aus.

Der Tempel wird von insgesamt vier Schutzgöttern bewacht
Der Tempel wird von insgesamt vier Schutzgöttern bewacht

Der Tempelbau begann 1661 unter dem chinesischen Gründer, Zenmeister Ingen. Manpukuji ist heute der Haupttempel der Obakusekte (wobei „Sekte“ in Japan eher Lehre meint und keinerlei negative Konnotation hat!).

Herr Tanaka führte uns nicht nur durch die Gebäude des Tempels, sondern auch durch den Garten. Hier wachsen viele Pflanzen, aus denen die Mönche noch heute Arznei gewinnen und die in erster Linie aus China importiert sind. Die Pflege des Gartens obliegt den Mönchen.

Ein Mönch bei der Zenunterweisung
Ein Mönch bei der Zenunterweisung

Ebenso kümmern sich die Mönche um die Besucher des Tempels. Nicht nur Touristen kommen, sondern auch viele Gläubige, die von den Mönchen teilweise in den Techniken des Zen unterwiesen werden. Während unseres Aufenthaltes konnten wir von außen einer solchen Unterweisung zuschauen.

Ein ehemaliger Teilnehmer am ISJP hat übrigens ein ganzes Jahr im Mampukuji verbracht und dort Zentechniken gelernt.

Herr Tanaka erklärt den Garten
Herr Tanaka erklärt den Garten

Von einem besonderen Strauch durften wir eine heilende Beere kauen. Das Lächeln von Herrn Tanaka hätte vielleicht vorsichtig machen sollen – aber Medizin muss bitter sein, sonst hilft sie nicht.

Ich jedenfalls fühle mich schon viel gesünder, als je zuvor … – danke an Christoph, der ein ausgezeichnetes Gespür für den Auslöser der Kamera beweisen hat.

Medizin muss bitter sein ...
Medizin muss bitter sein …

Den Namen der Beere weiß ich leider nicht – Herr Tanaka hat mich scheinbar falsch verstanden, denn unter „Oboku“ kann ich keine Pflanze finden. Einige Samen hat er mir aber für den heimischen Garten mitgegeben. Wer weiß, wofür die nochmal gut sind.

Wein im Tempelbüro
Wein im Tempelbüro

Nach dem Gang durch den Tempel lud her Tanaka uns noch ein, mit Tempelbüro einen kleinen Imbiss mit ihm einzunehmen. Der erwies sich schnell als Tee (natürlich) und zwei Flaschen Wein. Weißwein aus Neuseeland und Rotwein aus Japan. Herr Tanaka gestand uns, ein großer Weinliebhaber zu sein. Sein Traum? „A winemonastery for zenmonks.“

Auf dem Rückweg zum Bahnhof hatten wir etwas Glück: Ein japanischer Reiher saß auf einem der Tempelgebäude und erwies sich als äußert fotogen.

Ein japanischer Reiher
Ein japanischer Reiher